Samstag, 1. Mai 2010

Kleine Anekdoten aus dem Alltag

Kurz ein paar Geschichtchen, die ich in den letzten Tagen erlebt haben. Ich beginne mit einer lustigen Begebenheit, die mir am Donnerstag in einer typischen argentinischen Bäckerei (Panaderia)widerfahren ist. Für mein Mittagessen habe ich mir ein Stück Weißbrot gekauft, das mich 70 Centavos (etwa 14 Cent) gekostet hat. Als ich dem Mann an der Kasse meinen 2-Pesoschein überreichte, kriegte ich statt der erwarteten 1,30 Pesos 2 kleine Zettelchen mit Nummern drauf. Es hieß, am folgenden Abend könne ich mir die Monedas abholen....

Monedas sind tatsächlich überall Mangelware. Man braucht sie, um Bus zu fahren, daher sind sie existenziell...

Später mehr!

Donnerstag, 1. April 2010

24. März - Dia de la Memoria, por la Verdad y la Justicia


Der 24. März war einer der tollsten Tage, die ich bisher hier in Buenos Aires erleben durfte. Dabei ist der Anlass für diesen Feiertag ein trauriger. Vor 34 Jahren, am 24.März 1976, wurde die damalige Präsidentin Isabel Peron vom Militär gestürzt und die Militärdiktatur begann. Sie sollte das Land sieben Jahre lang in Angst und Schrecken versetzen. 30 000 Menschen "verschwanden", die sogenannten Desaparecidos (Verschwundene)- politische engagierte, regimekritische junge Menschen, die jahreland eingesperrt und letztendlich meist umgebracht wurden.

Um diese Menschen nicht zu vergessen, um ihren Kampf weiterzuführen und um dafür zu sorgen, dass so etwas nie wieder (nunca mas!) passiert, wird jedes Jahr am 24. März marschiert - ein Gedenkmarsch, ein Protestmarsch im Herzen Capitals, der vom Congreso zur Plaza de Mayo führt. Viele Taten von damals sind noch nicht aufgeklärt, seit ein paar Jahren laufen Prozesse, aber auch diese machen die Toten nicht mehr lebendig. Alle Organisationen waren versammelt, in der Mitte die Madres, die auf einem blauen Tuch die Fotos und Namen aller Verschwundenen trugen. Diese Madres protestieren bis heute jeden Donnerstag um 15 Uhr auf der Plaza de Mayo, um auf die Schicksale ihrer verschwundenen Kinder aufmerksam zu machen.

Die Stimmung auf der Marcha war sehr energiegeladen, sehr positiv trotz des traurigen Anlasses. Ich habe bemerkt, dass es viele politikinteressierte, engagierte jungen Menschen gibt, die der breiten Masse von Politikverdrossenen gegenüberstehen.
Es wurde Murga getanzt, gesungen und Musik gehört, aber auch über Politik disutiert, sich ausgetauscht und Anteil genommen.

Ich war sehr froh, diesen wichtigen Tag für Argentinien hier im Land miterleben zu dürfen!

Montag, 29. März 2010

Alles neu macht der...März?!

Heute poste ich nicht aus dem Internetcafé von nebenan, nicht aus der Wohnung von Lisa und Anna, sondern aus einem Departamento im Microcentro von Buenos Aires, wo ich für 10 Tage eingezogen bin. Anlass ist der Besuch meiner Mutter und meiner Tanten, die ihre Koffer gepackt und den Atlantik überquert haben, um mein Leben hier und Argentinien bzw. Buenos Aires kennen zu lernen.
Wir haben in der kurzen Zeit schon viel gesehen, sind viel gelaufen, haben allerlei Verkehrsmittel benutzt und ich hoffe, schon etwas Buenos Aires-Gefühl vermittelt zu haben.
Direkt am ersten Tag ging es in mein Projekt, was eine sehr spannende Sache war. Die Damen kamen natürlich gut an, sie haben mitgebastelt und meine Kinder und Arbeitskollegen kennen gelernt. Es ist schön, dass sie jetzt, wenn ich etwas aus meinem Projekt erzähle, ein konkretes Bild vor Augen haben. So teile ich mein Jahr mit ihnen und kann mich später ein wenig mit ihnen gemeinsam erinnern.
Morgen geht es mit dem buquebus (der Fähre) nach Uruguay, nach Colonia, einer der süßesten Städte, die ich kenne. Für Übermorgen sind Busrundfahrt und Tangoshow geplant. Ich halte die Damen also ganz schön auf Trab.

Noch etwas ist neu: Ich habe meine Haare abgeschnitten und trage seit Dienstag wieder einen Bob.
Entscheidender ist allerdings, dass ich heute mein Auswahlgespräch für Sciences Po Nancy in der französischen Botschaft hatte. Und trotz etwas nachlassender Französischkenntnisse ist es nicht so schlecht gelaufen wie befürchtet. Ich kann es zwar sehr schlecht einschätzen, aber ich habe es hinter mir und bin befreit. Jetzt heißt es nur noch einen Monat Abwarten.

Nächste Woche kehre ich dann wieder in meinen Arbeitsalltag zurück und darauf freue ich mich auch, denn ich möchte nochmal mit neuer Energie das Beste aus den 4 verbeibenden Monaten mit meinen Kindern rausholen. Auch im Projekt gibt es eine Neuerung: Ab nächster Woche arbeite ich verstärkt mit den "chicititos" (den kleinen Kindern), weil dort zwei Mitarbeiterinnen aufgehört haben und ich nun die einzig Verbleibende unterstütze. Darauf freue ich mich, denn ich mag die Kleinen sehr und habe bisher außer bei der Merienda nicht viel Kontakt mit ihnen gehabt. Außerdem bleiben mir danach immer noch eine bis zwei Stunden mit meinen Großen, die ich alle sehr ins Herz geschlossen habe. Dass eins meiner Mädchen jetzt mit 15 Jahren schwanger ist, hat mich sehr bestürzt, auch wenn es in diesem Milieu "normal" ist. Sie ist ein so kluges, interessiertes Mädchen, das hätte studieren können und Lehrerin werden, so wie sie es wollte, und jetzt erscheint das weit entfernt. Der Vater des Kindes hat schon eine andere Freundin und sie wohnt mit ihren 10 Geschwistern in einem Raum. Solche Dinge machen mich immer noch traurig.
Trotzdem tut es gut, zu wissen, dass sie im Zentrum einen Ort hat, an den sie kommen kann, wo Menschen sind, die ihr helfen und sie begleiten.

Der Herbst beginnt in Argentinien, die Sonne bleibt. Trotzdem ist alles neu. Und das schon im März.

A bientôt!

Mittwoch, 17. März 2010

Regen - ein Andenken an zu Hause


Es regnet. Und es gewittert. Und es geht mir gut dabei. Wie als würde der Regen nach so vielen Sonnentagen endlich etwas bewegen, etwas verändern, erfrischen, neu machen. Da ich in den letzten Tagen etwas mit meiner Motivation zu kämpfen hatte, müde war, ausgelaugt, gestresst, kommt mir der Regen wie ein Geschenk vor. Er erinnert mich an zu Hause, an Aachen, wo es ständig regnet. Und er zerstreut trübe
Gedanken.
Da im Projekt von sieben Mitarbeiterinnen drei aufgehört haben und meine Chefin wegen ihrer kranken Tochter zur Zeit zu Hause bleibt, die Arbeit aber nicht weniger wird, ist es im Moment sehr anstrengend und es kommt häufig vor, dass ich mit der Köchin alleine bin. Hinzu kommt, dass ich mich trotz dem Stress manchmal langweile, weil alles zur Routine wird, weil die Aufgaben mich nicht mehr intellektuell fordern.
Auf der anderen Seite merke ich, dass die Beziehungen zu den Menschen im Zentrum enger werden, unbeschwerter. Das ist mir auch viel wert. Trotzdem freue ich mich auf zu Hause, auf Deutschland, auf eine neue Herausforderung durch das Studium.
Meine Vormittage verbringe ich im Moment damit, mich auf das Auswahlgespräch für Sciences Po Nancy am 29. März hier in der französischen Botschaft vorzubereiten. Das bedeutet französische Zeitungen lesen, Tagesschau gucken, Vokabeln lernen, EU-Hintergründe...auch das ist langsam anstrengend, weil es bedeutet, dass ich fast nie wirklich Freizeit habe.

Bevor ich nach Deutschland zurückkehre, kommt Deutschland erstmal zu mir, genauer gesagt meine Mama und zwei meiner Tanten. Und ich freue mich unglaublich! Über Ostern sind sie hier und ich kann es kaum erwarten, ihnen meine Wohnung zu zeigen, mein Projekt, Varela, das schöne Buenos Aires (Capital), eben mein Argentinien. Ich bin froh, dass ich mein Leben hier mit ihnen teilen kann. Hoffentlich geht die Zeit bis sie kommen schnell vorbei...

Donnerstag, 25. Februar 2010

Buenas dias desde Puerto Madryn

Lange ist es her, dass ich von mir hoeren liess, aber ich bin nicht verschollen, nur wieder im Urlaub. Ohja, was fuer ein Luxus. Ich entdecke den Sueden dieses wunderschoenen und wahnsinnig vielseitigen Landes und verbringe eine Woche in Puerto Madryn, einer kleinen Stadt am Meer in der Provinz Chubut, die beruehmt fuer ihre legendaere Umgebung ist. Diese wartet mit Meerestieren wie Walen, Pinguinen und Seeloewen auf. Von Puerto Madryn aus, dem Surf- und Tauchparadies Argentiniens, kann man viele Tagestouren zu den verschiedenen Naturschauspielen machen. Gestern sind wir zur Punta Tombo gefahren, einem Naturreservat, wo Millionen von Pinguinen leben. Pinguine verschiedenster Arten, die alle sehr suess und tollpatschig wirken, und das alles vor einer traumhaft schoenen Kulisse: tiefblaues Meer, weisser Strand, rote Felsen und gelb-gruene Steppe.
Diesmal ist mein Reisepartner Luis, der mich fuer 3 Wochen hier besucht. Nach einer Buenos Aires-Sightseeingwoche, in der ich noch gearbeitet habe und ihm auch mein Projekt gezeigt habe, sind wir nun seit Montag hier und treten Samstag wieder die 20-stuendige Rueckfahrt nach Buenos Aires an, wie immer im Reisebus.
Das Wetter ist toll, viel kuehler als in Buenos Aires, aber trotzdem warm in der Sonne, strahlend blauer Himmel, glitzerndes Meer und ein relativ leerer Strand. Ich bin wirklich in Urlaubsstimmung.
Morgen machen wir eine Tour zur Peninsula Valdes, die beruehmte Halbinsel in der Naehe, wo man neben vielen anderen Meerestieren im Zeitraum zwischen Juni und Dezember auch Wale beobachten kann. Im Moment sind die leider nicht da, allerdings muesste es Orkas geben. Ich bin also gespannt, freue mich aber auch auf die anderen Tiere. Mit einem Minivan geht es wie gestern um viertel nach 7 Uhr morgens los und wir werden um die selbe Zeit abends wieder ankommen.

Der Sueden Argentiniens unterscheidet sich deutlich vom Norden oder vom Westen. Erstmal ist es deutlich kuehler und trockener. Ausserdem viel teurer. Das Hostel, das Essen, eigentlich alles. Daher koennen sich auch nur wenige Argentinier eine Reise in den Sueden leisten. In Tucuman und Mendoza habe ich viele argentinische Urlauber getroffen, hier bisher nur Franzosen (ganz schoen viele!), Amerikaner, Englaender und Spanier. Das spricht ja auch fuer sich.

Die Landschaft erinnert teiweise an Suedspanien, teilweise an Holland, sehr paradox.
Ich geniesse das frische Klima sehr, das einen riesigen Kontrast zum schwuelen Buenos Aires bildet. Ausserdem hat es in Buenos Aires vor unserer Abreise so stark geregnet, dass meine Wohnung wirklich komplett unter Wasser stand , obwohl alle Fenster geschlossen waren, und die Strassen wieder mal voellig ueberfordert von den Wassermengen waren.

Jetzt geht es zum Strand und danach in das Ecocentro-Mueseum, das laut dem Lonelyplanet ein Muss ist!

Bis bald, Gruesse ins langsam tauende Deutschland!

Samstag, 30. Januar 2010

Meine Reise


Am ersten Januar, nach einer gelungenen Silvesternacht in Palermo, ging meine Rucksacktour durch Südamerika los. Zusammen mit meiner Freundin Pia fuhr ich nach Mendoza, an die Grenze der Anden, wo wir eine andere Freundin von Pia, Isa, aufgabelten, und 2 schöne Tage verbrachten. Die Stadt war ganz niedlich, besser gefiel uns aber die Umgebung. Wir fuhren einen Tag in die Berge, und da die Thermenanlage voll war, badeten wir in einem Fluss, der durch die Berge floss. Sehr idyllisch. Abends gab es Weinprobe und Käsekosten mit einer Gruppe junger Argentinier und einem kanadischen Pärchen in unserem schönen kleinen Hostel.
Weiter ging die Reise über die Anden nach Santiago de Chile mit einem Zwischenstop an der Puente del Inca, eins der Naturwunder Argentiniens. Diese natürliche Brücke guckten wir uns 3 Stunden lang an, bis es mit einem semiseriösen 17-Sitzer weiter nach Chile ging. An der Grenze war es furchtbar: Hauptreisezeit bedeutete 4 Stunden warten - und das in der Kälte der Anden. Nachdem alles Gepäck der Reisenden ausgeladen und durchleuchtet wurde, konnten wir irgendwann endlich weiterfahren und kamen schließlich um halb 12 Uhr nachts in Santiago an. Empfangen wurden wir von Judith, einer Freundin von Pia, und einem weiteren Schulfreund, die uns vom Terminal mit in das Hostel nahmen, in dem Matti wohnt. Die Nacht war sehr international: Franzosen, Deutsche, Brasilianer und Chilenen saßen im Patio des Hostels und wir unterhielten uns gut, tranken Wein und erlebten unseren ersten Abend in Chile, dem Land der Palta (Avokada). Sie sollte für die nächsten Tage ein treuer Begleiter werden, denn sie lauert überall. Auf dem Hotdog, an der Straßenecke, im Salat, auf dem Sandwich: Palta, wohin man sah. Und zu einem Spottpreis. Herrlich - aber nur eine gewisse Zeit lang. Jetzt kann man mich damit jagen.
Nach einer Nacht im Hostel wurden wir von Judiths Gastfamilie herzlich aufgenommen und lernten für 3 Tage chilenisches Familienlaben kennen. Wir wurden liebevoll bekocht und konnten uns nur schwer von den Gesprächen mit der netten Gastmutter losreißen. Santiago wartete mit schönen Ecken auf uns. Das Barrio Brasil und das Barrio Bellavista gefielen mir sehr gut: Sehr jung, sehr modern, ein eigener Flair. Auf dem Cerro San Cristobal bestaunten wir die Stadt von oben und tranken später Kaffee in einer schönen Ecke von Bellavista.
Der Tag in Valparaiso und Vina del Mar war ebenfalls unvergesslich. Valpo ist eine wunderschöne, bunte Stadt mit viel Streetart und einem riesigen Hafen, und in Vina punktet der Strand und das Meer. Das war wirklich Urlaubsfeeling pur. Nachdem beim Mittagessen in einem kleinen Restaurant der Expräsident und Kandidat Frei neben uns saß und wir uns so nicht vor 10 Kameramännern retten konnten, haben wir die Entspannung am Strand auch gebraucht ;)
Nach 4 Tagen Santiago ging es für mich dann weiter nach San Felipe, wo ich andere Freiwillige besucht habe, die ich von meinen Vorbereitungsseminaren kenne. Wir verbrachten ein tolles Wochenende in einem Nationalpark namens "7 Tazas", der 7 Wasserfälle und viel Natur zu bieten hat. Campen war zwar schön und gut, aber nachts wurde es so kalt, dass ich kaum schlafen konnte. Dafür war es tagsüber warm und wir sind in den "Tazas" geschwommen, von Felsen gesprungen, haben uns gesonnt, viel gelesen und abends natürlich Asado gegessen.
Danach ging es nach La Serena, von da aus nach Antofagasta, von wo wir eigentlich weiter nach Salta, in den Norden Argentiniens, fahren wollten. Fehlanzeige. Bis zum 29. Januar waren alle Busse voll und wir stellten fest, dass wir tatsächlich gestrandet waren. Die einzige Option blieb das Flugzeug, da wir schon am 18. Januar beim Zwischenseminar in Misiones sein mussten. Also ging es für Pia und mich nachts wieder nach Buenos Aires, früher erwartet und ein bisschen gefrustet. Den Ärger über das ausgegebene Geld schluckten wir dann aber schnell runter und machten uns schon am nächsten Tag wieder auf den Weg Richtung Misiones. In der Provinzhauptstadt Posadas verbrachten wir dann vor dem Seminar noch 3 entspannte Tage, bevor es zum Seminar ging. Wir lagen am Pool, haben gelesen, sind spazieren gegangen, waren einen Tag in Paraguay um die Ruinen der Jesuitenreduktion zu besichtigen, und gingen abends mit ein paar Leuten aus dem Hostel feiern. Diese Zeit habe ich nochmal sehr genossen. Danach ging es ab zum Zwischenseminar, dazu später mehr.