Sonntag, 20. September 2009

Mein erstes Asado


Letzten Samstag habe ich meinen Geburtstag mit einem kleinen Asado gefeiert. Sofia, eine weitere Freiwillige, die auch in der Nähe wohnt, hatte einen Tag vor mir Geburtstag und daher haben wir beschlossen, zusammen zu feiern. Da unsere Wohnung für fast 20 Leute doch zu klein ist, haben wir die kleine Feier zu Lisa und Anna nach nebenan verlagert, deren Patio dann zum Grillen diente.
Die Vorbereitung des argentinischen Barbecues gestaltete sich dann doch schwieriger als erwartet: Geschlagene 2 Stunden waren Lisa und ich damit beschäftigt, den 5-Kilo-Fleischberg vom Fett zu befreien und in kleinere Stücke zu schneiden. Das etwas ernüchternde Ergebnis unserer Arbeit war dann, dass am Ende mehr Fett als genießbares Fleisch übrig blieb. Genug war es aber immer noch.
Wie bei "Mädchengeburtstagen" üblich, gab es sehr viel zu essen: Laura und Anna hatten Plätzchen, Empanadas und Tortas Fritag gebacken, außerdem gab es Salate und Kuchen, Brot und natürlich Fleisch. Da wir insgesamt 22 deutsche Freiwillige im Großraum Buenos Aires sind, wurde die Wohnung voll, viel gegessen, getrunken, geredet, gelacht und gegrillt. Dies kommentierte der Hausverwalter am Montag dann mit den Worten: "Mucho ruido el sabado..." Ich jedoch halte die Nachbarn für verantwortlich, die waren viel lauter als wir!
Ich habe eine sehr schöne Palme für mein Zimmer geschenkt bekommen, außerdem noch eine sehr hübsche Pflanze mit pinken Blüten, die nun beide mein und Lauras Zimmer verschönern.
Es war ein schöner Abend, der meine Woche abrundete und viel Spaß gemacht hat. Mein erstes Asado ist also gelungen - wenn auch das Fleisch ein wenig zäh war.

Freitag, 11. September 2009

Mein 19. Geburtstag


Mein 19. Geburtstag vor 2 Tagen war der erste Geburtstag, den ich ohne meine Familie und ohne meine Freunde aus Deutschland verbracht habe.
Dafür war er aber doch ganz schön. Am Abend zuvor habe ich mit Laura, Lisa, Anna und Cris mit viel Torte, Kuchen und Plätzchen gemütlich reingefeiert und um 12 schon den ersten Anruf in Empfang genommen ;)
Am Tag selber musste ich leider schon um 6 Uhr aufstehen, weil wir schon um 7 Uhr zu einer Konferenz nach Capital aufbrechen mussten.
In der Konferenz ging es um die Situation der Centren, um Probleme und Verbesserungsvorschläge. Es gab viel Mate und in der Mittagspause Empanadas, eben typisch argentinisch. Pia hat mir einen kleinen Kuchen und einen Blumenstrauß mitgebracht und in der Pause wurde für mich gesungen.
Abends waren wir wieder in Varela und wieder zu fünft bei Pizza libre, einem Restaurant, in dem man für 15 Pesos (knapp 3 Euro) so viel Pizza essen kann, wie man möchte.
So klang der Tag gemütlich aus.
Es war ein ganz anderer Geburtstag als sonst - aber von Veränderung lebt ja das Leben ;)
Gestern habe ich anlässlich meines Geburtstags dann Haribo mit ins Projekt gebracht, worauf sich die Kinder im wahrsten Sinne des Wortes gestürzt haben!
Über die Briefe, Pakete und Nachrichten habe ich mich sehr gefreut, gerade, weil ich so weit von zu Hause weg bin. Danke!

Von Menschen und Hunden

Ich habe schon länger nicht mehr geschrieben, was davon zeugt, dass ich wenig Zeit bzw. Freizeit habe und diese dann entsprechend vollgepackt ist mit den Dingen, die ich mir vorgenommen hatte zu tun, allen vorweg Sport und Bildung bzw. Weiterbildung in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Geschichte.
Ich bin ganz zufrieden mit mir, denn immerhin gehe ich mindestens zweimal die Woche ins Fitnessstudio am Park von Varela, mache Aerobic oder trainieren an den Geräten und lese fast jeden Tag in meinem schlauen Buch oder im Internet um wenigstens etwas auf dem neusten Stand zu bleiben und zu erfahren, was in der Welt so passiert.
In meiner Welt hier passiert doch so einiges. Aber vor allem merke ich, wie langsam Routine und Alltag in mein Leben zieht, was beruhigend ist, weil einem so alles leichter von der Hand geht und nicht mehr alles ganz so neu erscheint.
Inzwischen habe ich mich gewöhnt an die tägliche Busfahrt ins Projekt, die wie eine Zeitreise erscheint. Der Colectivo 500 (3 Bosques) bringt mich jeden Tag in eine andere Welt. Ich steige ein und alles erscheint "normal", ähnlich wie in Europa: Geteerte Straßen, Autos, normale Häuser, Geschäfte....Ich fahre und nach etwa 15 Minuten verändert sich das Bild allmählich. Der Müll am Straßenrand häuft sich, die Häuser werden kleiner, ihr Material verändert sich, sie sind halb offen, bestehen nur aus ein paar Steinen oder Holzbrettern, am Straßenrand verlaufen Gräben, in denen Abwasser und Müll schwimmt, überall laufen Hunde herum, die erbärmlich aussehen.
Ja, das habe ich alles schon berichtet aber ich kann das nicht oft genug erzählen, denn es begleitet mich jeden Tag. Jeden Tag verbringe ich 7 Stunden in dieser Umgebung und lerne die Menschen kennen, die ihr ganzes Leben dort wohnen. Ohne warmes Wasser. Ohne Klospülung. Ohne Föhn (ja, das erscheint nicht so wichtig aber meine Mädchen im Projekt kommen jeden Tag bei den Temperaturen im Moment mit nassen Haaren!), Ohne Heizung. Ohne Isolierung. (Die beiden Dinge gibt es selbst in unserer Wohnung nicht bzw. kaum). Ohne Privatssphäre.
Ich könnte noch viele Dinge mehr aufzählen, aber ich möchte nicht melodramatisch werden.

Auch in meinem Projekt, das im Vergleich zu anderen noch relativ gut ausgestattet ist, mangelt es an vielem. Auch wir haben kein warmes Wasser, spülen also jeden Tag das ganze Geschirr mit kaltem Wasser, was in Hinblick auf Hygiene nicht gerade beruhigend ist. Für Obst und Gemüse ist kaum Geld da, für die etwa 20-25 Jugendlichen, die jeden Abend dort essen, gibt es immer etwa 2 Möhren, eine Paprika und 8 Zwiebeln. Dafür aber fast immer Fleisch, das ist hier spottbillig.

Ich habe die Kinder und Jugendlichen aus dem Centro, aber auch meine Mitarbeiterinnen, schon sehr ins Herz geschlossen und weiß jetzt schon, dass es schwer wird, sie wieder zu verlassen.

Die Kinder sind alle so süß. Ich merke, wie sie auch mir gegenüber immer offener werden und es freut mich, diese Entwicklung zu verfolgen.
Sie kommen jeden Tag um 5 zur Merienda. Dafür bilden sie vor der Tür eine Schlange, jeweils 3 von ihnen kriegen von Romy, einer Mitarbeiterin in meinem Alter Seife in die Hand und gehen ins Bad, wo sie sich die Hände waschen. Danach bekommen sie von mir das Essen (Kuchen, Brot oder Löffelbiscuit) und einen Becher Tee.
Beim Betreuen des Händewaschens fällt mir oft auf, wie vernarbt die Händer der Kinder teilweise sind, von verdreckt mal ganz abgesehen. Die meisten von ihnen haben keine Mutter, die ihnen regelmäßig die Nägel schneidet, also sammelt sich dort munter der Dreck von Wochen...
Viele Kinder haben auch Krätze, Läuse etc. Wenn man sich die Verhältnisse im Barrio anguckt, ist das kein Wunder.
Trotz alledem ist die Mehrheit der Kinder sehr fröhlich. Beim täglichen Basteln wird viel gelacht, es kommt oft zu Situationen, in denen einer oder mehrere der Kinder singen oder tanzen und die anderen in einem Kreis drumherumstehen und mitklatschen. Das sind jedes Mal kleine Highlights meiner Arbeit.
Mit einem Mädchen, das mich bisher immer nur etwas verstörend angegrinst hat, habe ich mich gestern das erste Mal unterhalten, was für mich ein kleiner persönlicher Erfolg war. Langsam verstehe ich die Kinder immer besser und kann mich auch besser mit ihnen unterhalten. Alles fügt sich zusammen und entwickelt sich.
Zu den Jugendlichen habe ich auch schon ein richtig freundschaftliches Verhältnis entwickelt und ich versuche im Moment herauszufinden, was ihnen gefällt und Spaß macht und welches Angebot ich am besten anbieten werde. Die Theatergruppe mit kombiniertem Englischkurs wäre auf jeden Fall ein ehrgeiziges Projekt, sehr schwer zu verwirklichen, weil die Jugendlichen trotz Englischunterricht in der Schule oft kein einziges Wort sprechen und sich auch nicht sonderlich dafür interessieren. Außerdem haben sie Hemmungen, was für das Theater hinderlich ist. Trotzdem gebe ich nicht so schnell auf und werde es wenigstens versuchen, spielerisch und mit kleinen Schritten.
Gestern und heute haben mich Mädchen (17 und 13) gefragt, ob es in Deutschland auch so viele arme Leute wie hier gibt. Ich habe jedes Mal verneint und erklärt, dass in Deutschland das System der Sozialhilfe greift, so dass auch Arbeitslose etc. vom Geld vom Staat leben können.
Die beiden konnten sich kaum vorstellen, dass es in Deutschland keine Gegenden gibt, in denen vergleichbare Verhältnisse wie in den armen Barrios herrschen, keine "Villas" etc. Die ältere von beiden hatte im Fernsehen schon Bilder von Deutschland gesehen und mir gesagt, wie schön und reich alles ausgesehen hat. Sie hat mich außerdem gefragt, ob es in Deutschland auch viele Alkoholiker gebe, woraufhin ich antwortete, dass das sein könne, ich aber niemanden kenne. Daraufhin erwiderte sie, dass es dann wenige sein müssten, denn sie kenne sehr viele.
Was wieder daraufhinweisen würde, dass die Lebensumstände die Menschen bestimmen. Da muss ich Marx doch Recht geben muss: Das Sein bestimmt das Bewusstsein.
Oft frage ich mich, wie ich denken und handeln würde, wäre ich dort geboren. Wären meine Ziele die gleichen wie jetzt? Wäre meine Einstellung die gleiche? Und wenn ja, hätte ich die gleichen Chancen, die ich jetzt habe? Die letzte Frage war rhetorisch. Das ist bitter. Ich habe es vor allem meiner Herkunft zu verdanken, dass ich zur Schule gehen konnte, so lange ich wollte, jetzt hier bin und danach studieren kann um eines Tages das zu arbeiten, was mir gefällt.
Wie würde mein Leben aussehen, wäre ich eines der Kinder aus dem Barrio gewesen?
Höchstwahrscheinlich hätte ich schon Kinder oder wäre zumindest schon schwanger. Von meinen 3 jungen Kolleginen, die in meinem Alter sind, hat eine schon 2 Kinder und die beiden anderen jeweils eins. Die Psychologin, die zweimal die Woche im Centro arbeitet, hat mir gesagt, dass viele Mädchen so ihre Freunde an sich binden, aus Angst, sonst verlassen zu werden.
Außerdem bedeutet ein Kind eine Aufgabe, einen Lebensinhalt, der vielen sonst fehlt. Ein Kind gibt deinem Leben eine Bedeutung, eine Wichtigkeit.

Die Prioritäten der Menschen im Barrio unterscheiden sich von meinen. Obwohl sie kaum genug Geld für Essen und Kleidung haben, geben sie ihr Geld z.B. für Handys aus, von denen sie total begeistert sind. Alle meiner Mitarbeiterinnen haben Fotohandys, mit denen sie mir Bilder ihrer Familie und von Jesus (!) zeigen. Eine von ihnen hat sich vor ein paar Tagen ein neues Sony Ericsson Walkman Handy für 1400 Pesos (fast 300 Euro!) gekauft. Sie bezahlt in 6 Monatsraten. Sie trägt fast immer die gleiche Kleidung und klagt oft darüber, dass ihr das Geld für dieses oder jenes fehlt. Das kann ich wirklich nicht verstehen. Aber sie ist sehr glücklich über dieses Handy, gibt überall damit an (sie ist schon mindestens 40!), wir hören damit Musik bei unserer Materunde und sie ist ständig am Telefonieren oder simsen.

Auch gehen die Menschen hier sehr verschwenderisch mit Wasser um, der Wasserhahn läuft fast ständig, was ich gar nicht ertragen kann und ihn deshalb regelmäßig abdrehe. Das Wasser ist kontaminiert und kann wirklich üble Bauchschmerzen verursachen.

Komme ich nun von den Menschen zu den Hunden. Es ist grauenhaft, besonders für mich als Nicht-Hundefreund. im Centro laufen immer mindestens 7 Hunde rum (ich habe gezählt ;)), die ständig ins Haus laufen, sich die ganze Zeit kratzen, um Essen betteln, miteinander kämpfen etc.
Die Leute sind an sie gewöhnt, für mich ist das seltsam. Teilweise gehen die Jugendlichen echt schlimm mit ihnen um. Der Sohn meiner Chefin hat letztens mit einem Besen ausgeholt und mit voller Wucht auf einen Hund geschlagen, was mir sehr leid tat, obwohl ich an sich von den Hunden nicht angetan bin. Andererseits bekommen die Hunde die Essensreste und werden akzeptiert. Es herrscht ein stilles Einvernehmen zwischen Menschen und Hunden.

Abschließen möchte ich heute mit etwas, was ich vor kurzem auf Zeit. de gelesen habe.
Es ging um Kulturrelativismus und die Autorin kritisierte extreme Kulturrelativisten, die das Missachten von Menschenrechten auf eben diesen Kulturrelativismus zurückführen.
Dies sei unmenschlich, sagte sie und ich muss ihr da zustimmen. Menschenrechte sind keine Erfindung des Westens, meiner Meinung nach sind sie universell. Die Menschen hier haben die gleichen Empfindungen wie wir, sie haben Hunger und wollen essen, sie frieren und wollen gewärmt werden, sie wollen würdig leben, sie leiden unter Gewalt. Die Menschenrechte werden hier verletzt und der Westen, wir, können das nicht einfach als Kulturrelativismus abtun, denn das hat nichts mit der argentinischen Kultur zu tun. Ich weiß bisher noch zu wenig über die Ursachen dieser Armut, um sagen zu können, woher sie kommt und vor allem, wie sie bekämpft werden kann. Die Militärdiktatur z.B. hat die Wirtschaft geschwächt. Die Globalisierung tut ihr übriges.
Das Land befindet sich, besonders nach der Krise 2001, in einer schwierigen Phase der Konsolidierung. Dazu bald mehr.

Montag, 31. August 2009

La Murga

Am letzten Donnerstag habe ich meine erste wirkliche Erfahrung mit der Murga gemacht.
Die Murga ist ein traditioneller argentinischer Trommeltanz. Die Jungen trommeln einen Rhytmus auf riesigen bunten Trommeln während die Mädchen dazu tanzen. Es gibt richtige Tanzschritte, die kombiniert mit Improvisation die Murga ergeben, ein kraftvoller, ausdrucksstarker Tanz mit viel Körpereinsatz.
In meinem Projekt im Barrio Bosques von Florencio Varela wird jeden Donnerstag mit den Kleinen sowie mit den Jugendlichen Murga getanzt. Die Instrumente werden ausgepackt, die Kinder tanzen in Gruppen zum Rhytmus der Trommeln. Meist gibt es eine Art "Anführer", der oder die zählt und damit vorgibt, wann welche Tanzschritte folgen.
Damit auch ich, als "la alemana", die Murga lerne, haben mich zwei Mädchen und ein Junge unter ihre Fittiche genommen und mir langsam und mit viel Geduld die Tanzschritte gezeigt. Es war ein warmer Tag und das Tanzen war wirklich schweißtreibend. Ich hatte schon lange nicht mehr so viel Spaß! :) Schneller als gedacht hatte ich den Dreh raus und konnte mir die meisten Schritte merken. Der Höhepunkt folgte dann im Finale des Tages: Alle Kinder und Jugendlichen setzten sich im Kreis auf die Wiese vor dem Haus, sangen gemeinsam und feuerten die beiden Tänzer an, die abwechselnd in die Mitte des Kreises traten und vortanzten.
Es hat mich sehr beeindruckt zu sehen, wie wenig Scheu auch schüchterne Kinder hatten. Sie tanzen in der Mitte, als hätten sie ihr Leben lang nichts anderes getan und hatten sichtlich Spaß daran. Spaß - Spaß und Freude, etwas, das ihnen durch die Mitarbeiter im Projekt jeden Tag gegeben wird. Die Begeisterung, mit der die 6- bis 10-Jährigen basteln, malen und spielen, ist ein Grund, warum ich gerne in mein Projekt gehe - es macht auch mir Spaß, das zu sehen, mich von der Freude der Kinder anstecken zu lassen oder sie mit meiner Freude anzustecken.
Dazu passt ein Spruch, den Laura und ich heute in einem Anflug von Kreativität an unsere Zimmertür geschrieben haben:

Der Mensch ist für die Freude
und die Freude ist für den Menschen.

Das ist wohl der Grund, warum ich dieses Jahr hier mache: Die Freude - auf beiden Seiten.

Samstag, 22. August 2009

Die Projekte

Die erste Woche in Florencio Varela haben wir damit verbracht, jeden Tag eins der vier Hauptprojekte der Fundación Angelelli kennenzulernen.

Da Montag Feiertag war, ging es Dienstag für Laura und mich in St. Inés los.
Das Centro liegt mitten im barrio (Armenviertel) und besteht aus einem Küchenhaus und einem Haupthaus, indem Apoyo Escolar (Nachhilfe), Artesania und andere Aktivitäten stattfinden.
Alles in einfachsten Verhältnissen, mit Häusern in Europa ist das nicht zu vergleichen.
Es gibt meist keine tapezierten Wänder und oft keine oder nur ein Fenster.
Wir kamen kurz vor der Merienda (Essensausgabe) und halfen, Tortas Fritas zuzubereiten.
Dabei handelt es sich um frittierten Kuchenteig in Kreisform. Wir haben Kugeln geformt, ausgerollt und frittiert. Um 4 kamen dann die Kinder und erhielten jeweils eine Torta und einen Becher leche con chocolate. Alles sehr süß und kalorienhaltig, was darin liegt, dass die Kinder so etwas zu Hause oder in der Schule nicht bekommen und es sie relativ satt macht.

Mittwoch waren wir zu viert (Laura, Anna, Lisa (die anderen Freiwilligen)) und ich im centro Villa Argentina, wo wir ebenfalls bei der Merienda geholfen haben.
Es gab selbsgebackene Medialunas (Croissants), die wir dann an die Kinder verteilt haben.
Alle Kinder, die regelmäßig zur Merienda kommen, werden notiert mit der entsprechenden Anzahl der Geschwister. Daraus ergibt sich, wie viele Teilchen die Kinder mit nach Hause nehmen dürfen. Auch hier gab es dazu wieder ein Heißgetränk, was eine Mitarbeiterin den Kindern in mitgebrachte Flaschen füllte.
Wir haben uns mit den Mitarbeitern unterhalten, mit den Kindern gespielt, der Köchin beim Zubereiten des Abendessens geholfen und schließlich mit allen zusammen gegessen. Es gab Nudeln mit Fleisch und Kartoffeln, alles in einem großen Topf zusammengemischt. Ich habe noch nie zuvor Nudeln mit Kartoffeln gegessen!

Donnerstag waren Laura und ich im centro Tres de Mayo. Das war ein sehr langer Tag: 10 Stunden haben wir dort verbracht...
Zuerst haben wir für die Merienda Kuchen gebacken, den später ausgeteilt, mit den Kindern gespielt, uns mit den Jugendlichen unterhalten und Mate getrunken.

Mate- das Nationalgetränk der Argentinier. In einem Matebecher wird Yerba eingefüllt (eine Art Kräutermischung - koffeinhaltig!), dann mit Wasser aus der Thermokanne übergossen und aus einem metallenen Strohhalm getrunken, bis das Wasser weg ist. Dann wird neues Wasser eingeschüttet und an den nächsten weitergereicht. Ein sehr geselliges Getränk.

Freitag waren wir wieder zu viert in Bosques, dem Centro, das ein bisschen außerhalb liegt.
Dort hat es mir am besten gefallen. Wir haben geholfen, die Merienda auszuteilen, dann mit den Kindern gebastelt und uns später noch mit den Jugendlichen unterhalten.
Das Centro besteht aus zwei Häusern: in einem Gebäude befindet sich die Küche sowie der Aufenthalts-und Essraum für die Kleinen, das andere Gebäude ist für die Jugendlichen.

Montag hat sich dann entschieden, wo wir arbeiten und ich freue mich sehr darüber, dass es für mich Bosques sein wird, weil mir die Athmosphäre, die Mitarbeiter und Kinder dort am besten gefallen haben.
Jetzt habe ich schon meinen dritten Arbeitstag dort hinter mir und es gefällt mir wirklich sehr gut!
Ich komme jeden Tag um 2 dort an und helfe erstmal bis 5 in der Küche beim Zubereiten der Merienda und des Abendessens. Gestern habe ich einen Riesenberg Fleisch zurecht geschnitten, heute Unmengen von Kartoffeln geschält. Meine Fingernägel danken es mir..;)
Um 5 helfe ich dann, die Merienda an die Kinder auszuteilen. Von 6 bis 7 basteln wir mit den Kindern, danach beschäftige ich mich mit den Jugendlichen, mache bei tallers (Angeboten) mit und werde in ein paar Monaten auch einen eigenen taller anbieten. Ich denke da an einen Theaterworkshop oder Ähnliches.
Außerdem gibt es im Centro auch Apoyo Escolar (Nachhilfe), bei der ich auch einige Kinder übernehmen werde.
Das gleiche mache ich Donnerstagsmorgen von 9 bis 11 in einem anderen Centro im Barrio. Donnerstags ist mein langer Tag: Von 9 bis 11 in San Cayetano und danach wieder von 1 bis 9 in Bosques..me alegro! ;)
Die letzte Woche hat mir vor Augen geführt, was diese Centren für die Kinder leisten.
Die meisten von ihnen kriegen zu Hause nicht ausreichend Essen um satt zu werden, was zum Beispiel auch daran liegt, dass Familien mit 10 Kindern keine Seltenheit sind. Die meisten Väter sind arbeitslos, die Mütter kümmern sich um die Kinder. Viel Bildungsarbeit wird dort nicht geleistet, auch das Kind-Sein kommt oft zu kurz, weil sich schon kleine Kinder um ihre noch jüngeren Geschwister kümmern müssen.
Die Centren geben den Kindern einen Raum um ihre Kreativität auszuleben, ihre Probleme z.B. im taller de reflexion zu besprechen, sie leisten Bildungsarbeit, z.B. im taller für junge Mütter oder durch die Nachhilfe, sie versorgen die Kinder mit Essen und Zuwendung.
Auch wenn ich im Moment nur hier und da helfe und noch nichts eigenes mache, freue ich mich darüber, jetzt für ein Jahr lang teil dieser Organisation zu sein. Ich verstehe mich jetzt schon mit vielen Kindern und Jugendlichen gut und bin gespannt, wie sich unser Verhältnis entwickelt.
Ich merke, dass ich jeden Tag etwas mehr spanisch/castellano verstehe und mich auch Schritt für Schritt besser ausdrücken kann, aber es ist noch schwierig, besonders, weil die Kinder und die Jugendlichen so schnell und undeutlich sprechen.

Mein erster Monat ist heute vorbei und ich muss sagen, dass ich so viel Neues erlebt habe wie nie zuvor. Viele Dinge sind interessant, viele schrecklich, viele beängstigend, viele schön und viele einfach neu.
Auch Heimweh hat mich schon manchmal eingeholt. Diese völlig andere Welt, in der ich nun arbeite, macht mir teilweise zu schaffen und ich vermisse Deutschland und meine Familie und Freunde.
Seit den letzten zwei Tagen im Projekt, die mir sehr gut gefallen haben, bin ich aber viel optimistischer und freue mich auf das Jahr. Trotzdem merke ich immer wieder, was für ein Glück ich habe, in Deutschland aufgewachsen zu sein und freue mich wieder auf viele Dinge, die in Deutschland selbstverständlich sind.
Wir haben zum Beispiel seit Sonntag kein warmes Wasser mehr, weil der Schlauch am Waschbecken gerissen ist und wir es deshalb abdrehen mussten. Wenn wir Glück haben, kommt morgen der Handwerker, so genau weiß man das hier aber nie...

Ich lebe mich langsam ein und arbeite viel, mache Sport (!), koche, lese, schreibe Mails, gehe einkaufen und fahre am Wochenende nach Palermo, Pia und die anderen besuchen.

Asi es mi vida ahora!

Unsere Wohnung

Vor einer Woche sind Laura und ich in unsere neue Wohnung eingezogen!
Und ich bin jetzt schon ganz verliebt....fühle mich schon wie zu Hause :)
Wenn man zur Tür reinkommt, befindet man sich in der Küche, die gleichzeitig Esszimmer und Aufenthaltsraum ist und in einer Telefonnische endet.
Außerdem gibt es noch unser Schlafzimmer, ein kleines Bad und einen Minibalkon.
Seitdem wir uns einen Ofen für die Steckdose gelauft haben, frieren wir auch trotz der zugigen Fenster nicht mehr so sehr.
Neben meinem Bett habe ich schon Fotos aufgehangen, so dass das Zimmer schon eine persönliche Note hat und ich meine Freunde und Familie wenigstens auf Bildern bei mir habe :)
Dank Lauras Lust am Malen und an Farben haben wir den Türrahmen unserer Schlafzimmertür mit bunten Handabdrücken aus Acrylfarbe verschönert und individualisiert!
Die kleine Küche lädt zum Kochen ein, was wir auch schon des öfteren gemacht haben.
Soviel dazu!

Dienstag, 11. August 2009

Der argentinische "machismo"

Dass lateinamerikanische Männer Machos sind (ähnlich wie Spanier und Italiener), das weiß schon jedes Kind. Schade eigentlich, dass sich dieses Klischee komplett bestätigt!
Was zeichnet den argentinischen Macho aus? Nun, er kann jeden Alters angehören, sein Aussehen reicht auch über alle Facetten- sie gleichen sich nur im Verhalten.
Ein Beispiel aus meiner eigenen Erfahrung: Gestern stehe ich mit vielen anderen Freiwilligen im Bus im Barrio, wir kommen gerade vom Besuch eines Projektes. Der Bus ist sehr voll, deswegen stehen alle dicht an dicht. Direkt mir gegenüber, sehr nah an mir, steht ein Mann, der sicher schon ca. 40 war, und sagt plötzlich: "Oooh, que linda sos...how beautiful..." und zwinkert, was bei dieser Nähe wirklich etwas unangenehm und peinlich war.
Das ist aber natürlich noch harmlos, Sprüche klopfen macht hier fast jeder Mann.
Dreister sind manche jungen Argentinier in der boliche (Disco): Da kommt es schon mal vor, dass einer vorbeikommt und dich ohne ein Wort einfach in den Nacken oder sogar auf den Mund küsst. Dreist!
Aber auch nicht so verwunderlich, weil sie schon von Kindesbeinen lernen, dass der Mann mehr wert ist als die Frau und der Herr im Haus und über Frau und Kinder...
Ich will nicht behaupten, dass das für alle gilt, denn sicher gibt es auch Haushalte, in denen die Erziehung mehr der unseren gleicht, aber es ist doch auffällig, wie sehr die Männer die Frauen hier zu Lustobjekten hinabdegradieren.
Trotz allem kann man den meisten Männern in der Disco schon klarmachen, wenn man nicht interessiert ist und das wird dann auch meistens respektiert, also keine Panik :)
Agressiv ist bisher noch keiner geworden, an sich sind die meisten nämlich hinter der rauen oder schleimigen Machoschale doch ganz nett.
Dass die Argentinier die schönsten Menschen der Welt sind, kann ich nicht bestätigen.
Es gibt viele hübsche Mädels, die Jungen/Männer finde ich (und da sind die meisten deutschen Mädels meiner Meinung) nicht sehr attraktiv.
Genug für heute,
Gute Nacht!